Partnerstadt Tuchola

Das Wappen von Tuchola

Als 1994 die Gemeinde Olching und die polnische Stadt Tuchola nach vorausgegangenen informellen Kontakten eine offizielle Partnerschaft beschlossen, war das noch eine Besonderheit zwischen einer (west-) deutschen und einer polnischen Kommune. Aber bereits in den Jahren zuvor hatte sich in Olching eine private Poleninitiative gebildet, die humanitäre Hilfe leistete.In einem großen Bogen erstreckt sich von der Kaschubischen Schweiz bis zur Weichsel das riesige Wald- und Seengebiet Bory Tucholskie (Tucheler Heide).

 

An der Brda (Brahe) liegt Tuchola (Tuchel), dessen Ursprünge im 13. Jahrhundert liegen. 1287 weihte der damalige Erzbischof von Gnesen, Jakub Swinka, eine Kirche zu Tuchola. Vom ersten Drittel des 14. Jahrhunderts bis 1410 übte der Deutsche Orden die Herrschaft über den Ort und seine Umgebung aus, errichtete dort eine Komtur und ein mächtiges Schloß, dessen Fundamente im Keller des modernen Kulturhauses zu sehen sind. Auch Relikte der Stadtmauer sowie die Anlage des Stadtzentrums künden von jener Epoche. Mit dem 15. Jahrhundert fand Tuchola Anschluß an die glanzvolle Jagiellonen-Epoche, die erst durch die Schwedenkriege beendet wurde. Zwei große Stadtbrände in den Jahren 1685 und 1781 zerstörten weitgehend die alte Substanz.


Als Folge der polnischen Teilung von 1772 fiel Tuchola an Preußen, wichtige Bauten wie die heutige Försterschule, das Krankenhaus und die Post zeugen von der Zugehörigkeit zu Preußen. Sie wurden nach der Reichsgründung von 1871 aus den Gewinnen der französischen Reparationszahlungen errichtet. Nach 20 Jahren bei Polen kam 1939 die deutsche Besatzung. Erschießungen von Zivilisten, der Abriß der gotischen Pfarrkirche (1940) und die Vernichtung der kleinen jüdischen Gemeinde waren Folgen der Okkupationspolitik. Auf die NS- Gewaltherrschaft folgten die Jahrzehnte des kommunistischen Totalitarismus, einschließlich der schweren Zeit des "Kriegsrechts".


In den letzten Jahrzehnten erwuchs sich Tuchola zum touristischen Hauptort der Tucheler Heide. Die Stadt besitzt mehrere Kultur- und Sporteinrichtungen, Schulen und ein eigenes Museum (Muzeum Borów Tucholskich). Die Auen der Brahe oder das berühmte Wierzchlas-Eibenreservat sind nur einige der verlockenden Naturschönheiten in der Umgebung unserer Partnerstadt.

Tuchola ist aber auch ein idealer Ausgangspunkt für Exkursionen nach Chojnice (Konitz), Chelmno (Kulm), Torun (Thorn), Malbork (Marienburg) und Gdan sk (Danzig), die ein tieferes Verständnis für die jahrhundertealte deutsch-polnische Geschichte eröffnen können.


Tobias Weger, M.A.

Literaturhinweis:
Konrad Bauer, Fritz Scherer, Tobias Weger: Geschichte der Gemeinde Olching. Olching, Esting, Geiselbullach, Graßlfing. Dachau 1994.

 

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