Arbeitskreis Gentechnik-freie Region

Über uns und unsere Motivation

In den letzten Jahren haben die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ( BVL ) genehmigten Flächen zum Freilandanbau Gentechnisch veränderten Organismen (GVO) kontinuierlich zugenommen. Die gesundheitlichen Risiken dieser Technologie sind nach wie vor umstritten. Sie werden selbst von den Befürwortern gesehen aber als gering eingestuft. Studien zeigen, dass gesundheitliche Langzeitrisiken nicht ausgeschlossen werden können.

 

Das Risiko der ungewollten Ausbreitung der GVO - innerhalb der eigenen Spezies oder über Artgrenzen hinweg - ist gegeben und vom Menschen nicht wirklich kontrollierbar. Eine einmal außer Kontrolle geratene Ausbreitung ist kaum rückgängig zu machen, wie andere Beispiele aus der Natur z.B. die Ausbreitung so genannter Neophyten zeigen.

 

Akute rechtliche und damit wirtschaftliche Probleme haben z.B. alle deutschen Imker mit Agro-Gentechnik. Honig mit Pollen von GVO Mais ist nicht verkehrsfähig - also als Lebensmittel unverkäuflich, darf auch nicht verschenkt werden. GVO-Polleneintrag lässt sich aber in einem Umkreis von bis zu 6 km um das GVO-Feld nicht vermeiden, bedingt durch den naturgegebenen Flugradius und Sammeltrieb der Biene.

 

Der Großteil der deutschen Landwirte lehnt die Agro-Gentechnik ab, vor allem auch vor dem Hintergrund der Vergabe von Patenten und Lizenzen. Diese sind derzeit auf alle im Handel befindlichen Agro-GVO eingetragen und sind untrennbar mit meist ausländischen Unternehmen der Chemie- und Saatgut-Industrie verbunden, die Agro-Gentechnik befürworten und sich durch Patente auf die jeweilige GVO-Spezies langfristig planbare Einnahmen sichern wollen.

Umfragen zufolge lehnen über 70% der deutschen Bevölkerung die so genannte Agro Gentechnik ab. Dennoch werden vermehrt sowohl auf privat-wirtschaftlichen als auch auf staatlichen Flächen (meist so genannte Versuchsgüter) GVO angebaut oder freigesetzt. Die deutsche wie auch bayrische Regierung ist in ihrer Handlungsfreiheit in dieser Thematik stark eingeschränkt, da viele Beschlüsse rund um Agro Gentechnik EU-weit in Brüssel getroffen werden. Auch die jeweiligen Gemeinden selbst haben nur sehr eingeschränkte rechtliche Möglichkeiten GVO Anbau zu untersagen.

Jedoch können sowohl private Personen, Gemeinden und Landkreise für sich beschließen, auf Agro-Gentechnik zu verzichten und sich hierzu verpflichten. Die Selbstverpflichtung zum Verzicht auf Agro-GVO kann auch an Pachtnehmer weitergegeben werden. Auf diese Weise ist es möglich, so genannte Agro-Gentechnik-freie Regionen zu errichten. Derzeit (Januar 2009) gibt es in Deutschland über 100 Agro-Gentechnik-freie Regionen. Beispielsweise gibt es diese in unserer Nachbarschaft in Augsburg, Kaufering und Memmingen, in unserer Landeshauptstadt München und München-Land, den Landkreisen Weilheim-Schongau, Rosenheim und Traunstein.

 

Laut Auskunft des Kreisverbands des Bayrischen Bauernverbandes (BBV) wird im Landkreis Fürstenfeldbruck privatwirtschaftlich kein GVO angebaut. Allerdings gibt es zwei staatliche Versuchsgüter im Landkreis, in denen GVO angebaut oder freigesetzt wurde/wird: das Versuchs-Gut Puch in Fürstenfeldbruck und das Gut Roggenstein in Olching. Aktuell im Jahr 2009 ist auf dem Gut Roggenstein der Anbau von GVO Mais auf 2000 m², auf dem Gut Puch auf 3000 m² Ackerland geplant.

Im Sinne des Leitbildes der Olchinger Agenda 21vom 26. Juli 2005 hat der neue Arbeitskreisfür das Handlungsfeld Gentechnik-freie Region (GFR) folgende Ziele, konkrete Ansatzpunkte und Maßnahmen formuliert.

 

Leitziele

Vielfalt der Arten und Eigenständigkeit der Landwirtschaft im Sinne der Nachhaltigkeit

Regionale und ökologisch wirtschaftende Landwirtschaft

Schaffung lokaler Gentechnik-freier Regionen (Stadt Olching, Landkreis Fürstenfeldbruck)

Schutz und Erhalt der heimischen Fauna und Flora

Erhaltung der Unabhängigkeit bei Saatgut, Patente und Patenten auf Lebewesen,

Aufhebung der Monopolstellung der Saatgut- und PSM - Anbieter unserer Landwirtschaft, Imkereien, Wein- und Gartenbaubetriebe

Sicherung des Angebots gesunder, natürlicher Lebensmittel für die Bürgerinnen und Bürger als Voraussetzung für den Aufbau einer regionalen Nahrungsmittel- und Energieproduktion und - verteilung.

 

Handlungsbereiche

Den Dialog zwischen Erzeugern (Landwirtschaft, Imkerei, Wein- und Gartenbau), Verarbeitern, Handel, Gastronomie und Verbraucher anstoßen und anhaltende Kommunikation fördern.

Grundlegende Basisinformationen für Bürger und Stadt zu wesentlichen Gentechnik - Themenbereichen zur Verfügung stellen - allgemein Biologie und Technik

Abgrenzung der einzelnen Gentechnikbereiche wirklicher oder vermeintlicher Nutzen- Versprechen und Realität - Interessenslagen der Beteiligten und Betroffenen

Er- und Vermittlung von Experten im jeweiligen Fachgebiet.

Networking und Koordination mit anderen Gemeinden und Organisationen wie z.B. BLV, D.I.B., DBIB, BUND, Netzwerk Unser Land und Bio-Verbänden.

Herstellen von Transparenz bezüglich der Agro Gentechnik und deren direkten Auswirkungen und möglichen Risiken in unserer Region, z.B. auf Gut Roggenstein und in Puch (Fürstenfeldbruck).

Sensibilisierung und Information der Bürger

Unterstützung und Mitwirkung bei der Initiative "Agro Gentechnik - freie Region Fürstenfeldbruck"

 

Maßnahmen

Information für die regionalen Imker, Landwirte und Gärtner über die Organe der Stadt Olching

Hilfestellung für Imker (und Landwirte/Gärtner) bei der Stellung eines kostenlosen Antrags auf Schutzes vor GVO im Sinne der sog. Koexistenz bei der Regierung von Oberbayern

Information und Koordination bezüglich der Anträge mit Mellifera e.V. ( www.mellifera.de )

 

Mitgliedschaft der Initiative Agro Gentechnik freie Region Fürstenfeldbruck (daran beteiligt u.a. BBV Kreisverband, Netzwerk Unser Land, BUND)

Kontakt und Informationsaustausch mit Nachbar-Gemeinden mit Initiativen von Gentechnik freien Regionen und Gemeinden, welche bereits den Status Agro Gentechnik freie Region haben (z.B. Weilheim-Schongau und Kaufering)

 

Ansprechpartner:
Jochen Klein
Tel.: 08142 / 488445
E-Mail: gfr@schleiferhof.de

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