Neue Kunstwerke für die Stadt Olching

Zingerl

Seinen dreiteiligen Grafikzyklus zur Geschichte der Stadt Olching übergab kürzlich der renommierte Landkreiskünstler Guido Zingerl an Bürgermeister Andreas Magg, der diese Kunstwerke in Auftrag gegeben hatte.

Der Maler, Zeichner und Karikaturist ist in vielerlei Hinsicht mit Olching „verbandelt“ wie er es gerne ausdrückt. Zum einen folgte er bereits drei Mal der Einladung der Stadt, eine Kunstausstellung im KOM zu gestalten. Zuletzt anlässlich seines 85. Geburtstag im Jahr 2018 – ein Highlight im Kulturbetrieb der Kulturwerkstatt am Olchinger Mühlbach. Des Weiteren besucht er zusammen mit seiner Gattin regelmäßig die Matineen des Kulturvereins Eleven-eleven sowie diverse Konzerte der Stadt. So hat sich Guido Zingerl gerne und intensiv mit der Geschichte der Stadt auseinandergesetzt und drei Tuschezeichnungen kreiert, die seine originelle und kritische Sehweise in seinem ureigenen Darstellungsstil perfekt aufgreifen.

Obschon Olching nicht gerade von weltbewegenden Ereignissen „überschäumt“ wie Guido Zingerl schmunzelt bemerkt, hat er doch einige interessante Dinge „entdeckt“. Den tiefgreifenden Wandel von der rein landwirtschaftlich geprägten Dorfgemeinschaft zur Industriegesellschaft im Zuge der Anbindung an die Eisenbahnstrecke München – Augsburg hat der Zeichner in seiner ersten Grafik mit zwei Episoden auf witzige Weise wiedergegeben. Die feierliche Einweihung durch König Ludwig I. im Jahr 1839 und der Unfall von König Maximilian II. zwanzig Jahre später. Dessen Wunsch, mit Hilfe von zwei aneinandergehängten Loks schneller nach Augsburg zu kommen, endete mit der Entgleisung des Zuges in der Nähe von Olching. Zingerl wäre jedoch nicht Zingerl, wenn er nicht auch kritische Töne anschlagen und die katastrophalen Arbeitsbedingungen beim Bau der Bahnlinie in Szene setzen würde. Damals mussten die Arbeiter noch mit Pickel und Schaufel schuften.

Wie schon in seinem 27-teiligen Amper-Zyklus, für den der Künstler 1995 mit dem Kunstpreis des Landkreises Fürstenfeldbruck ausgezeichnet wurde, verewigt Guido Zingerl in seiner zweiten Arbeit den grauenvollen Marsch der KZ-Häftlinge aus dem Außenlager Kaufering in Richtung Dachau am Ende des 2. Weltkrieges. Der Zug der völlig entkräfteten Menschen verzweigte sich hinter Emmering, auch durch Esting, Geiselbullach und Olching schleppten sich einige Geschundenen. Guido Zingerl, selbst in Kriegszeiten aufgewachsen, der ältere Bruder gefallen, das Elternhaus in Regensburg zerbombt, setzt sich bereits sein ganzes Künstlerleben mit der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten auseinander.

„Bach im Mühlbach“ ist der Titel des dritten Exponats. Eine humorvolle Verzahnung zeitlicher Ereignisse rund um das KOM. Der Mühlbach ist über die Ufer getreten und hat sich vor der Kulturwerkstatt breit gemacht, im Dampfboot Olching spielt ein Orchester Werke von Bach, Zingerl selbst schwimmt mit einem seiner Bilder zur Ausstellung im Erdgeschoss, oben im Saal dominiert die wunderbare Balkenkonstruktion, die Uhr am Eingang zeigt die Uhrzeit 11.11 an.

Der originelle Grafikzyklus wird demnächst an exponierter Stelle im Rathaus Olching platziert und hoffentlich wird Guido Zingerl bald wieder mit einer Ausstellung im KOM vertreten sein.

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