Schreiben von Bürgermeister Magg an die Staatskanzlei zum Thema "Abholservice für Büchereien"

Bücherei

Bürgermeister Andreas Magg hat ein Schreiben an die Bayerische Staatskanzlei geschickt, in dem er sich dafür stark macht, dass öffentliche Büchereien in Bayern ebenso wie der Einzelhandel einen Abholservice für Bücher und andere Medien anbieten dürfen. 

 

Das Schreiben im Wortlaut:

 

 

Olching, 12. Januar 2021

 

Abholservice für Bibliotheken in Bayern

 

Sehr geehrter Herr Staatsminister Dr. Herrmann,

 

ich wende mich in einer Angelegenheit an Sie, die mir persönlich sehr am Herzen liegt: die Möglichkeit unserer Bibliotheken, in Zeiten von Corona Menschen mit Büchern und anderen Medien zu erreichen.

 

Wir sind gestern darüber informiert worden, dass „Click & Collect“, das jetzt wieder für den Einzelhandel möglich ist, vorerst nicht auf die Bibliotheken und Büchereien ausgeweitet wird.

 

Ich begrüße es sehr, dass es für die Geschäfte die Möglichkeit gibt, dass Kunden zuvor bestellte Produkte unter Einhaltung strenger Hygieneregeln vor Ort am Geschäft abholen können. Das ist insbesondere wichtig, um in Pandemie-Zeiten nicht komplett vor den großen Online-Händlern zu kapitulieren. Es ist mir jedoch nicht verständlich, warum diese Regelung für öffentliche Büchereien aus infektiologischer Sicht nicht gelten soll. Ich halte es für dringend notwendig, dass Bibliotheken, gerade in Zeiten von geschlossenen Kitas und Distanzunterricht, ihre Möglichkeiten erweitern und Familien, aber auch ältere Menschen, erreichen. Natürlich auch unter Einhaltung eines strengen Hygienekonzepts.

 

Ich könnte mir sogar vorstellen, dass man von den öffentlichen Bibliotheken noch strengere Auflagen verlangen könnte – beispielsweise die Übergabe der Medien ausschließlich im Freien, vor der Tür. Das wäre zudem auch einfacher, als aufwändige Lieferdienste zu organisieren.

 

Ich sehe die Kommunen als Träger der Büchereien in der Pflicht, gerade auch während der Kita- und Schulschließung Eltern und Kinder mit Lesestoff zu versorgen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Kleinsten, insbesondere in Familien, die es sich nicht leisten können, neue Bücher für ihre Kinder zu kaufen. Es stellt eine soziale Ungerechtigkeit dar, dass sich die einen Bücher, CDs und Filme kaufen können, diejenigen Menschen aber, die sich das nicht leisten können, nicht auf das Angebot der Büchereien zurückgreifen können. Damit werden wahrscheinlich genau die Familien doppelt belastet, die ohnehin schon Probleme mit der Kinderbetreuung und dem Distanzunterricht haben, und die Unterschiede im Klassenverbund und in der Gesellschaft vertiefen sich.

 

Öffentliche Bibliotheken sind Experten für sinnvolle Freizeitgestaltung und halten hierfür geeignete Medien vorrätig. Sie haben einen Bildungsauftrag und könnten damit gerade jetzt schnell und unkompliziert den Schulen helfen, die naturgemäß vorhandenen Defizite des Distanzunterrichts zu kompensieren. Die Erfahrungen der vergangenen Wochen und Monate zeigen, dass wir mit Lieferdiensten im Vergleich zu „Click & Collect“ nur rund ein Viertel unserer KundInnen erreichen.

 

Die Eltern in Bayern schultern gerade eine fast unmögliche Aufgabe: Sie übernehmen neben ihrer beruflichen Tätigkeit einen Großteil der Betreuung und des Unterrichts ihrer Kinder zuhause und wollen ihnen auch ein Mindestmaß an sinnvoller Freizeitgestaltung bieten, trotz der Einschränkungen, die aktuell gelten. Der Lockdown, der angesichts der Infektionszahlen absolut gerechtfertigt ist, erfordert das Angebot der öffentlichen Bibliotheken.

 

Unser Angebot ist hochgeschätzt und durchdacht. Manch anderes Freizeitverhalten, das aktuell mangels Alternativen verstärkt praktiziert wird, birgt sicherlich mehr Ansteckungsrisiken als das Abholen von Medien bei der Bücherei vor Ort.

 

Gerade die MitarbeiterInnen im öffentlichen Dienst werden verlässlich und konsequent die notwendigen Auflagen und Hygieneschutzmaßnahmen einhalten, auch diese Tatsache spricht für eine Änderung der Haltung der Staatskanzlei.

 

Ich möchte Sie daher dringend bitten, diese Punkte in Ihrer weiteren Abwägung zu berücksichtigen und die Anwendung von „Click & Collect“ für die Büchereien in Bayern schnellstmöglich zu gestatten.

 

Vielen Dank für Ihre Bemühungen und die engagierte Arbeit der Bayerischen Staatsregierung in diesen herausfordernden Zeiten.

 

Hochachtungsvoll

 

Andreas Magg

Erster Bürgermeister

 

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